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Andreas´ Ovali

Der Glaube an Schicksal

Als Jugendlicher hatte man immer Blödheiten im Kopf. Man überlegte sich, was man wieder anstellen könnte. So geschehen nach der Matura im Jahr 1985.

Mein Schulfreund Gernot lud einen anderen Schulfreund Peter und mich zur Maturafeier in das Wochenendhaus seiner Eltern nach Breitenbrunn am Neusiedler See, wo wir sturmfreie Bude hatten, ein. Um am Abend in die umliegenden Discos zu kommen, überlegten wir eine Möglichkeit uns einen fahrbaren Untersatz zu beschaffen.

Wir fanden Roller Skates, die aber nicht wirklich von Vorteil wären, Fahrräder, womit wir aber unsere ganze Kraft schon bei der Anreise vergeuden würden, dachten an die Möglichkeit mit dem Bus zu fahren, doch fuhr der letzte schon so zeitig zurück, dass es sich nicht auszahlen würde, die Reise zu tun und letztendlich öffneten wir einen alten Schuppen, wo uns ein VW Käfer, Baujahr 1954 mit Winker in erbsengrüner Lackierung mit seinen Augen lieblich entgegenblickte.


Es war 16 Uhr, der Schlüssel war auch im Haus, doch niemand von uns hatte einen Führerschein bzw. saß noch nie am Steuer eines Autos. Aber wir hatten noch genügend Zeit, um bis Discoeinlass genügend Fahrpraxis zu sammeln. Gernot startete den Käfer und wir drei fuhren zu einem nahegelegenen, unbefahrenen Feldweg, wo wir nach der Reihe Probefahrten tätigten. Somit war mein erster Kontakt mit einem Auto dieser erbsengrüne Käfer. Nach zweimaligem Absterben und mehrmaligen Aufheulen des Motors bewegte sich das Gefährt von der Stelle und ich fuhr Auto, einen VW Käfer!

Aber wie sooft bei Jugendlichen kam bald der Übermut zum Vorschein und wir fuhren ab vom Feldweg in Richtung Neusiedler See, wo unsere Ausfahrt von einem parkenden deutschen PKW mit Anhängevorrichtung, die den rechten Kotflügel des Käfers erwischte, endete. Geschockt fuhr Gernot, der am Steuer saß, sofort mit uns zurück in den Schuppen, wo wir die ganze Nacht versuchten, die Delle auszuklopfen, um das Ganze vor seinen Eltern zu verheimlichen. Doch der Erfolg blieb aus, seine Eltern erfuhren alles und wir verloren uns dann auch noch aus den Augen.

Doch in mir schlummerte eine Leidenschaft, ein VW Käfer. Als Mitte 2003 der endgültig letzte VW Käfer erzeugt wurde, war mein Drang einen VW Käfer zu bekommen, einem VW Käfer Club beizutreten und damit den Mythos weiterleben zu lassen, so groß, dass ich mir unter allen Umständen einen Käfer zulegen musste. Am 6.2.2004 war es dann soweit. Ich wurde Besitzer eines VW Käfer Silberbugs, Baujahr 1982, komplett restauriert und trat in den VW Käfer- und Bulli Liebhaberclub Laxenburg bei, wo ich mich bisher sehr wohl fühlte.


Im Zuge dieser Anschaffung kamen meine Gedanken wieder zurück zu meinem Schulfreund Gernot und seinen Käfer, die ich schon 18 Jahre nicht mehr sah. Einige Tage später läutete bei mir im Büro das Telefon. „Hallo, Gernot spricht, wir waren gemeinsam in der Schule!“ Ich war nicht wirklich erstaunt, da ich ja in Gedanken mit ihm verbunden war und sich so der Kreis nach 18 Jahren geschlossen hatte. Ich habe jetzt mein erstes Gefährt, einen VW Käfer selbst in Besitz, der Käfer von Gernot, komplett restauriert, lebt auch noch und wir drei kamen auch wieder zu einem Treffen zusammen. Schicksal!



Aber das war noch nicht alles! Wir verloren uns dann zwar wieder aus den Augen. Da ich aber wusste, dass Gernot ein Taxiunternehmen in Wr. Neudorf haben sollte, rief ich ihn dann 2013 im Sommer an und fragte, ob er uns zum Flugplatz nach Schwechat zum Flug nach Ibiza bringen könnte. Doch hatte er schon sein Taxiunternehmen verkauft. Nach ein paar Minuten Plauderei legten wir wieder auf. Nur kurz darauf läutete mein Handy und Gernot war wieder dran. Er hatte ganz vergessen zu fragen, da ich ja im VW Käferclub Laxenburg Mitglied war, ob ich jemanden wüsste, der den erbsengrünen VW Käfer seines Vaters kaufen wollte, da sein Vater krank wäre und er ihn loswerden wollte. Ich antwortete mit „ Ja ich selbst hätte Interesse. Wäre es möglich ihn zu besichtigen?“ Und ein paar Tage später fuhren Sylvia (meine Ehefrau), Arthur (ein Freund und Kenner der alten Volkswägen) und ich nach Breitenbrunn, um ihn,



jetzt bereits mit Führerschein, Probe zu fahren. Nach kurzer Überlegung kam es dann zur Preisverhandlung. Arthur nannte einen Betrag und Gernots Vater willigte ein. Somit war der Kauf perfekt und ich bekam nach fast 30 Jahren das Auto, einen islandgrünen (genaue Lackbezeichnung) VW Käfer, auch „Ovali“ genannt, mit dem ich die „ersten Schritte“ als Autofahrer machte, in unseren Besitz. So schloss sich nun der Kreis und jetzt bestätigte sich meine Aussage von damals: Schicksal!

Andreas

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